Leseprobe aus „Klasse“- über die agnotologischen Strategien der Grundschulpolitik und ihre desaströsen Folgen

(Seite 164) »Ich erzähl euch jetzt, wie das Profitgier-Virus eines Tages nach der deutschen Schul-Idylle griff, sich klammheimlich überall andockte und wie die drastische Denk-Drosselung in Deutschland begann.« Gerd ist in seinem Element.»Irgendwer hatte das Virus eingeschleppt. Wirklich irgendwer? Oder wurde es als Schulbildungsvermarktungsidee aus den USA zu uns herübergeschwappt? Egal. Das Grundbildungsvernichtungsvirus mutierte schnell und zwang unsere arglose Schulwelt (viele Lehrerinnen, Lehrer und Eltern waren damals noch genauso gutgläubig wie heute) ganz langsam in die Knie und dann ungebremst in die Lerninsolvenz. Der Plan ging auf. Welcher Plan? Dummheit zu Geld machen. Und wie leicht das war! Alle machten mit. Alle riefen: ›Ich auch, ich auch!‹ Kein Mensch protestierte. Im Gegenteil. Der Trick war: Begehr muss her! Weil aber anfangs kein Begehr da war – ­der deutsche Dichter- und Denker-Bildungsstandard galt als zufriedenstellend –, wurde er geschaffen. Das ging verblüffend schnell und war strategisch total simpel: möglichst viel Chaos und nachhaltigen Schaden anrichten. Wir kennen das auch aus anderen Branchen: erst ein- oder abreißen, dann teuer erneuern. Bildungsvermarktung funktioniert nach demselben Prinzip. Und Profitgier kann eben auch Grundschule. Nachhilfe-Franchise-Unternehmen hatten wir vor 1969 nicht und brauchten sie auch nicht. Danach ja.« »Ich verstehe«, meint Anne. »Und so sollte es dann bleiben. Der Markt sollte dauerhaft beherrscht werden. Denn je größer der Schaden, desto größer der Gewinn. Also musste das Begehren langfristig gesteuert und großzügig und eigennützig befeuert werden. Wenn möglich seriös. Wenn nicht, dann nicht. Wie fies ist das denn?« »Tja, aber lässt sich die Schulbildung überhaupt dauerhaft schädigen? Na klar: indem man den Unterricht für Lesen, Schreiben, Rechtschreiben und Rechnen abschafft. Bevor jetzt irgendjemand dazwischenruft: Das geht nicht! Erinnere ich kurz an den GSV und dessen Aktivitäten. Seht ihr: der Kreis schließt sich langsam.«

Die Handschrift stirbt mit dem letzten Menschen. Vorher ganz bestimmt nicht.

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Podcast „Schreibgeflüster“ mit Claudia Sprinz

Liebeserklärung an die Handschrift

Sie ist echt.

Es ist ihr egal, ob ich sie mit Kuli, Bleistift, Filzstift oder Füller schreibe, sie zeigt sich immer mit Gefühl.

Ich kann ihr nicht das Geringste vormachen, sie lässt sich nicht täuschen Sie ist sensibel und aufrichtig.

Ich bin ihr ausgeliefert und beherrsche sie zugleich. Sie ist nichts ohne mich, und ich nichts ohne sie. Sie wird mich nie verlassen. Sie weiß genau, wer sie ist. Sie verfolgt mich und ist bei mir wie ein Schatten. Manchmal ist sie grässlich hässlich. Gelegentlich schwingt sie sich auf und tanzt wie ein Schmetterling. Sie ist irrational. Emotional. Individuell und so wunderbar, wie jede andere Handschrift auch.

Die Leute sagen, sie sei »Ausdruck meiner Persönlichkeit«. Ich sage, sie ist hundert Mal mehr als das. Sie sagt mir, wie ich mich fühle. Sie antwortet mir, wenn Menschen nichts mehr sagen können. Sie trauert mit mir. Sie ist stärker als ich selbst. »Ausdruck der Persönlichkeit« ist nichts dagegen. Was ist das überhaupt, »Persönlichkeit«? Die Wissenschaft weiß es noch nicht, ist ihr aber auf der Spur.

Persönlichkeit ist eine Phrase, eine schillernde Worthülse. Aber Ausdruck hat sie – und wo Ausdruck ist, da ist auch Eindruck. Den macht sie.

Ob man will oder nicht, jede Handschrift macht Eindruck. Meine ist da keine Ausnahme. Jeder Mensch hat seine eigene Lebensschrift. Aber nur selten sieht man, dass sie auf Gegenliebe trifft. Noch seltener wird sie überhaupt gemocht. Meist führt sie ein Schattendasein und wird verachtet. Tja, und so fühlt sie sich dann auch. Wie kann eine Handschrift strahlen und schön sein, wenn sie ständig missachtet, niedergemacht und schlechtgeredet wird? Sie kann es nicht. Kein Mensch kann das. Aber einer Handschrift wird das zugemutet. Ihr bleibt oft nichts als ein Dasein in Isolationshaft. Manche Handschrift versinkt im Keyboard des Computers, ohne jemals gelebt zu haben. Weil ihr Lebensgefährte ihr niemals Leben eingehaucht hat.

Vielleicht weiß er nichts von ihr. Nichts von ihrer Schönheit, ihrem Charisma, ihrer Strahlkraft, ihrer grafischen Brillanz. Und er ahnt nicht einmal, was alles aus ihr hätte werden können. Hätte er sie doch nur einmal gelassen – losgelassen, einfach so drauf los. Doch er weiß nichts über sie und nichts von ihr, weil ihm vom ersten eigenen Buchstaben an suggeriert wurde, seine Schrift sei schlecht, sei ungleichmäßig und eigenwillig und tanze auf der Linie statt ordentlich zu sein. »Das wird nie was!«, und daran glaubt er. Hätte er gewusst, dass seine Schrift sich nicht schönschriftmäßig entwickeln darf, weil sie dann ihre Einzigartigkeit verliert, dann hätte er heute ein anderes Verhältnis zu ihr. Bestimmt würde er sie mögen. Sehr sogar.

 

Handschrift boomt!

„Zeig mir mal deine Notizen.“ Diese saloppe Aufforderung bringt so manchen Mann ins Schwitzen, weil seine Handschrift einfach nicht vorzeigbar ist. Kommen Sie zu uns! Denn die Digitalisierung befreit uns keineswegs davon, leserlich schreiben zu könnenen. Das ist für Schüler eine supergute Nachricht. Denn nun wissen sie, wozu sie Schreiben lernen. Die Schule weiß das jedenfalls nicht: „Schreiben ist von vorgestern“ heißt es da, oder „Das erledigt später alles die Spracherkennung!“ Unfug! Schreiben mit der Hand wird immer die schnellste Art zu schreiben bleiben: Der Stift ist schnell zur Hand und das Wort fix fixiert. Buchstaben „ertasten“ ist viel langsamer – selbst wenn die Software „Shortcuts“ anbietet, aus denen man wählen kann, was passt. Und Datenlöcher im Netz werden größer statt kleiner. Also : „Die persönliche Handschrift garantiert Privatsphäre – der Computer das Gegenteil.“ Wer schreiben kann, ist immer im Vorteil. Denn Schreiben mit der Hand ist Denken auf Papier!

Die Technik der lateinischen Schreibschrift bewährt sich seit 500 Jahren und entsprechend vielen Generationen in fast allen Weltsprachen als zuverlässiges Denk- und Kommunikationswerkzeug. Sie baut infolge der Digitalisierung ihren weltumspannenden Erfolg immer weiter aus.

Vor allem die schriftliche Korrespondenz macht diese einzigartige internationale Verständigungstechnik unverzichtbar. Denn Handschrift funktioniert schnell, individuell und weitestgehend datengeschützt.

Auf Managerebene hat sich längst herumgesprochen: Wer die schnelle Schreibschrift beherrscht, ist Teil eines Verständigungsnetzwerks, das unauffällig und vertraulich weltweite Verbindungen knüpft. Digitalisierung und Globalisierung indizieren die Handschrifttechnik also als ein absolutes MUSS für jeden zivilisierten Menschen.

Brauchen wir die Handschrift noch?

„Brauchen wir die Handschrift noch?“

Wer diese oft gestellte Frage mit „Nein“ beantwortet, sitzt schon in der Falle. Er oder sie ist einer ungemein subtilen Manipulation auf den Leim gegangen. Nehme ich an. Denn um die Handschrift geht es gar nicht. Auch nicht darum, Männer von lästigen Sauklauereien zu befreien. Wer Handschrift sagt, spricht vom Schreiben. Die Frage müsste also lauten: „Wollen wir noch Schreiben können?“ oder deutlicher: „Wozu das Alphabet lernen, wenn es Alexa, Siri, Spracherkennung, Autokorrektur und Thesaurus gibt?“. Ist Anti-Alphabetist sein schon chic? Dürfen die Gedanken frei bleiben oder wollen wir das nicht mehr?

Auffallend ist, dass die Handschrift-Frage ausschließlich von Menschen gestellt wird, die schreiben können. Von den 7,5 Millionen An-Alphabeten in unserem Land ist diese Frage jedenfalls nicht zu hören. Wir können also davon ausgehen, dass diejenigen, die den Verzicht propagieren, diesen nicht selbst ausüben.

Schreiben ist das Ergebnis eines Denkprozesses, dem ein visuell-manuell-basiertes Darstellungsereignis nachgeordnet ist. Handschrift ist eine Frage der Bildung, nicht des Designs. Ohne das Schreiben mit der Hand, das hat auch Friedrich Nietzsche schmerzlich erfahren als er vom Stift auf die Maschine umschulen musste, ohne das Schreiben mit der Hand kann es kein flott-fließendes Denken geben. Darum geht es aber. Dafür wurde die Schreibschrifttechnik erfunden: Wir denken schnell-fließend und in ganzen Begriffen. Und so muss, will man dem Gedankenfluss adäquat folgen, auch geschrieben werden. Darum werden die Buchstaben verbunden. Die Verbindung zwischen den Buchstaben ermöglichen den Fingern, Fließbewegungen zu erzeugen die den Denkfluss imitieren. Diese Technik ist die schnellste buchstabenbasierte Darstellungsform.

Es ist also von entscheidender Bedeutung, ob mit Fingerspitzen auf Tasten gedrückt oder mit Finger und Stift auf Papier oder Tablet geschrieben wird. Die Konsequenzen liegen buchstäblich in der Hand. Und im Kopf.

Neurobiologie und Menschenverstand sind sich auffallend einig: Handschreiben führt zu besserer Gedächtnisleistung, weil es die Synapsen nachhaltig verknüpft, Tastendrücken schafft das nicht. Inzwischen ist diese Erkenntnis mittels neurowissenschaftlicher Studien mehrfach bestätigt worden. Man kann es sich auch denken.

Die Frage Tastatur versus Handschrift stellt sich schon deshalb nicht, weil auch Tablet und iPad handschriftlich bedient werden können. Warum wohl?!  Algorithmus und Verstand ergänzen sich perfekt. Beide haben ihre Vorzüge. Parteinahmen für oder gegen einen von beiden ist unlogisch und ein Zeichen dafür, dass man ihren Zweck nicht versteht. Es sind Denkwerkzeuge. Werkzeuge, die den Menschen helfen, ihre Gedanken zu sortieren, realisieren, materialisieren. Das funktioniert aber nur, wenn man sie beherrscht. Für Denkfaule, denen es um „Digitalisierung first, Denken second“ geht, sind beide nichts. Die können ihre Selbstbestimmung getrost vergessen.

Die Anwendung, also die Technik der lateinischen Schulschreibschrift (typographisch: verbundene Gemischtantiqua, in Deutsch-land: Lateinische Ausgangsschrift [LA]), bewährt sich seit Jahrhunderten in (fast) allen Weltsprachen als Denk- und Kommunikationsinstrument und baut infolge der Digitalisierung ihren weltumspannenden Erfolg immer weiter aus. Nicht allein die handschriftliche Alphabetisierung der Kinder, auch die Globalisierung und die Digitalisierung, ja und gerade die virtuelle Entmündigung machen diese einzigartige Verständigungstechnik unverzichtbar.

Handschriftliches Schreiben ist schnell, individuell und weitestgehend datengeschützt. Wer die lateinische Schreibschrift beherrscht, ist Teil einer Verständigung, die unauffällig und vertraulich überall auf der Welt Verbindungen knüpft. Ein Muss für jeden zivilisierten Menschen.

„Schreiben können oder nicht“, kann auch lauten: „Schreibe ich selbst oder muss ich schreiben lassen?“ … wäre aber genauso fatal. Denn der Wunsch, seine Gedanken aufzuschreiben ist intrinsisch, das heißt, er entspringt einem inneren, nicht steuerbaren Antrieb. Wenn ich dem nicht eigenmächtig folgen kann, brauche ich ein Equipment und einen anderen Menschen. Anders ausgedrückt:

Schreiben können oder nicht schreiben können, ist eine Frage der Abhängigkeit – liefere ich mein Kind einem kommerziellen System aus oder soll es selbstbewusst und eigenverantwortlich leben können? Es ist also eine entweder – oder – Entscheidung: Entweder die Menschen werden zukünftig intellektuell abhängig oder intellektuell un-abhängig leben.

Mit der Hand schreiben trainiert die Freiheit des Geistes. Die Freiheit, seine Gedanken aufschreiben zu können, unabhängig von Gesetz, Software und Ideologien. Wer den Stift aus der Hand legt, legt seine Gedanken in fremde Hände. Wer nicht schreiben will wird manipulierbar, er muss sich fragwürdigen, unsicheren Systemen ausliefern.

Doch ein Studium theoretisch-praktischer Alphabetisierung auf Basis der lateinischen Schreibschrift und linguistisch vertretbarer Orthographie vom ersten Wort und erstem Schultag an, ist an Universitäten unerwünscht. Manche Bildungspolitiker vertreten sogar die originellen Standpunkte: „Das Beibringen von Buchstaben ist wissenschaftlicher Erforschung nicht bedürftig“ und „Das mit den Buchstaben soll ganz woanders erledigt werden, nicht in der Lehrerausbildung“. Wer hätte das gedacht: Grundschullehrinnen und -lehrer sind in Stifthaltung, Buchstaben- und Schreiben-lehren gar nicht ausgebildet. Sie sind nicht schuld, dass -zig Millionen Kinder und Erwachsene nicht richtig schreiben können. Darüber spricht aber niemand. Jeder schämt sich auf seine Weise. Der eine still vor sich hin, der andere beginnt zu tricksen.

Die Eingangsfrage Brauchen wir die Handschrift noch? und die Aussage Die Handschrift stirbt aus! zielen also keineswegs auf freundliche Abhilfe irgendwelcher Sauklauen, sondern unmittelbar auf die geistige Freiheit.

Jetzt wird es etwas gruselig.

Wir müssen wohl davon ausgehen, dass es die Schule selbst ist, die -zig Millionen Kindern absichtlich unbrauchbare Schreibfähigkeiten, falsche Orthografie und die damit verbundenen Probleme vermittelt.

Ist die Schule im Fokus von Tätern? Ich meine nicht die Lehrerinnen und Lehrer – ich spreche von der „Einrichtung Schule“.

Es stellt sich die Frage, ist „Schule“ dem Grundgesetz und der Bildungsvermittlung verpflichtet oder dient sie anderen Interessen?

Es ist inzwischen „normal“, dass Wissenschaft, Politik, Schreibgerätehersteller und Schulbuchverlage in trauter Übereinstimmung den „Marktplatz Grundschule“ unter einander aufteilen und in ihrem Sinne optimieren.

Wenn zum Schulanfang von Lehrerinnen verpflichtende Einkaufs- bzw. Bestelllisten für Lernmaterial (Buntstifte, Tuschkästen, Hefte usw.) teurer Marken ausgegeben werden dürfen (Begründung: damit alle Kinder die gleichen Produkte benutzen), halte ich das für einen Skandal. Ebenso wie die Tatsache, dass die lateinische Schreibschrift (LA) auf Wunsch der Schulbuchverlage aus dem Grundschulprogramm genommen und gegen Druckschrift ausgetauscht wurde, um die Fibel-Herstellungs-kosten zu senken. Dieser Profit-Rechnungs-Prozess hielt nicht gestern, sondern schon vor 50 Jahren Einzug in die Lehrerinnenzimmer.

Sorry, Aber mir kann niemand weismachen, dass ich die Einzige sein soll, der da Zusammenhänge auffallen, wo Eltern Einkaufsverpflichtungen auferlegt werden. Mein Vorschlag: Wenn die Kinder bestimmte Markenprodukte konsumieren sollen, dann bitte kostenlos. Das ist dann zwar auch unerlaubte Werbung. Aber faire.

Ich frage mich, sind es wirklich nur kommerzielle Hintergründe, die mit dem Bildungsverfall einhergehen? Nur weil einige Fibelhersteller keine Schreibschrift mehr verwenden wollen, muss diese Schreibtechnik ja nicht aus der Schule verschwinden. Die Abbildung der Schrift ist das eine – das Erlernen der Schreibbewegung das Eigentliche, und das ginge schließlich auch ohne Fibel.

Was soll ich sagen – tatsächlich, alles deutet darauf hin, dass es in punkto Bildungsabsturz noch viel subtiler und um einiges vernichtender zugeht. Es geht nicht nur um Geld.

Ich fasse zusammen was seit 1969 geschieht: Die Schreibschrift wird gegen Druckschrift ausgetauscht, der Schreibunterricht, das „Schönschreiben“ komplett gestrichen, das Lehrpersonal im Schreibenlehren nicht ausgebildet, eine professionell entwickelte Methode zum Erlernen des Schreibens wird abgelehnt. Sechsjährige müssen sich das Schreiben, handschriftliches Alphabetisieren „eigenverantwortlich und selbstorganisiert“ beibringen. Das können sie nicht.

Ergebnis: Ein Teil gibt sofort auf, ein Teil der Mädchen fummelt es sich irgendwie zurecht und ein Teil (hauptsächlich Jungen) werfen die Stifte nach zwei Wochen in die Ecke und boykottieren das System. Von ihnen wird man noch hören. Es sind die hellen Köpfe. Ihnen gehört mein ganzes Herz.

Der erste Versuch (ca. 1970), die Schreibschrift aus der Schule zu entfernen, scheiterte am Widerstand vieler Eltern, Lehrerinnen und Lehrer. Daraufhin wird eine Schrift kreiert, die nach der Druckschrift und erst im zweiten Schuljahr eingeübt werden muss und die eine irreführende Bezeichnung trägt: „Vereinfachte Ausgangsschrift“ [VA]. Irreführend, weil sie weder einfach, noch eine geeignete Ausgangsschrift ist. Sie ist nicht einmal eine Schreibschrift, denn sie kann weder fließend noch verbunden und auch nicht auf der Grundlinie geschrieben werden. Die VA führt zu zickzack-förmiger Orientierungslosigkeit.

Die Schülerhand-Schriften werden gänzlich unlesbar.

Wozu gehen Kinder in die Schule, wenn sie beim Schreiben lernen ohne fachkundige Hilfe und alleingelassen werden? Bedenken Sie, wer nicht schreiben kann, ist auch im Rechnen eingeschränkt. Die Zahlen fallen nicht vom Himmel. Wer 10 schreiben will, muss wissen, wie man 1 und 0 richtig zu Papier bringt. Zahlen sind Codes. Buchstaben auch. Es sind sichtbar gewordene Gedanken-Bewegungen auf Papier. Menschgemacht und datenbefreit.

Der Druck auf die Taste ist das Gegenteil davon.

Handschrift und Tastatur sind zwei Seiten einer Medaille – nicht eine Seite zweier Medaillen; Aber Computer und Bleistift sind keine Antipoden. Ihr Bindeglied ist der Verstand.

Was keiner weiß: Kurz vor Weihnachten 2001 wird über die Absetzung der lateinischen Schreibschrift abgestimmt, die seit 500 Jahren in der Schule gute Dienste leistet und zu dem am weitesten verbreiteten Schriftsystem der Welt gehört und vier Wochen später wird sie ohne Not und klammheimlich aus dem Grundschulrahmenplan entfernt. Seitdem sind wir ein Land ohne definierte Sprache und Schrift.

2011 nimmt die Schreibschrift-Entzugs-Offensive noch skurrilere Formen an: Bildungswissenschaftler kommen mit Aussagen wie diesen um die Ecke: „Druckschrift ist Schreibschrift, wenn sie mit der Hand geschrieben wird“ und „Druckschrift als erste Schreibschrift“. Zeitgleich wird die althergebrachte Druckschrift in „Grundschrift“ umbenannt. Was die Absicht kaschieren soll, dass die Kinder tatsächlich und endgültig keine Schreibschrift mehr lernen werden. „Wenn sie das nicht wollen, können sie ja die Druckbuchstaben irgendwie verbinden oder in den Kunstunterricht gehen.“ Bei so viel Chuzpe kommen mir Zweifeln, ob die „Wissenschaftler“ wissen was und wovon sie reden.

Die Verwahrlosung der Sprache wird komplettiert durch die seit 40 Jahren bewusst falsch „unterrichtete“ Rechtschreibung (bekannt unter den Bezeichnungen „Schreib‘ wie du sprichst“ und – ganz falsch – „Lesen durch Schreiben“), die von demselben Personenkreis zu verantworten ist, der auch die Schreibschrift und den Schreibunterricht ablehnt.

Auf den Unsinn „Dieser Stift macht aus Druckschrift Schreibschrift“, den ein Schreibgerätehersteller verbreiten ließ, auf Griffmulden, Dreieckstifte und Testimonials, die sich als promovierte Handschriftexperten ausgeben, und auch auf Handschrift- und Schreibstift-Stiftungen gehe ich separat ein. Die Grundschule ist offenkundig ein weites Feld, das wohl von jedem beackert werden darf, der Lust dazu hat. Fachliche Qualifikation ist oder war zumindest kein Kriterium für die Vergabe eines Lehrstuhls. Dass Kinder vergeblich auf verantwortungsvolle Ausbildung hoffen, scheint nichts weiter als eine Leerstelle zu sein.

Meiner Einschätzung nach stellt dieses Grundschul-Konglomerat bestens unter Beweis, dass es geeignet ist, ein positives und intelligenzförderndes Interesse am Schreiben gar nicht erst aufkommen zu lassen. Die einen wollen Stifte verkaufen, die anderen Schulbücher. Was die Kinder damit machen ist ihnen schnurzpiep-egal. So wurde es mir von Schreibgerätehersteller-Personal gesagt. Mehrfach. Eindeutig.

Jeder Mensch, dem „Schreibschwäche“ attestiert wird, und das macht man (auch) mit Kindern, die mittels schlechter Handschrift das System boykottieren, leidet darunter und verschweigt es.

Meine Erfahrung aus zwölf Jahren Handschrift-Coaching für Führungskräfte deuten darauf hin, dass der Besuch staatlicher Grundschulen auf genau den Alphabetisierungs-Notstand hinauslaufen soll, mit dem wir schon seit Langem zu kämpfen haben.

Bei genauerem Hinsehen ist unser Alphabetisierungs-Notstand jedoch mehr ein Wissens-EMBARGO. Denn das Wissen von der Lehre zum Erwerb der Fähigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen, ist ja seit Jahrhunderten bekanntDer Unterricht wechselte zwar die Methoden; Aber die Kenntnisse wurden gewissenhaft weitergegeben.

Genau dieses Grundwissen, auf das die Kinder warten, weil es die Basis für ein zivilisiertes Leben ist, und von dem die Bevölkerung überzeugt ist, dass es in der Grundschule vermittelt wird, diese Basis wird mit allen Mitteln, bis hin zu Repressalien und Aggressivität, ZURÜCKGEHALTEN. Basiswissen darf nicht mehr vermittelt werden.

Warum?

Warum wird richtiges und fehlerfreies Schreiben zukünftigen Erwachsenen absichtlich vorenthalten?

Auf der Suche nach Antworten fand ich heraus, dass es da noch um etwas anderes geht.

Zig Millionen unlesbare Handschriften fallen zwar ins Auge. Aber sie sind nur ein Teil des Notstands. Sie sind nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Unsichtbar darunter, weil auch Lesefähigkeit, das 1 x 1 und die Grundrechenarten kein Pflichtlernstoff mehr sind, weil kaum mehr Musik- und Sportstunden auf dem Stundenplan stehen, herrscht ein umfangreiches non-materielles Bildungs-Vakuum, entstanden durch Bildungs-Verweigerung. Das ist der Kern der Katastrophe. Ich sage nicht, dass es an jeder Schule so ist. Aber es ist die politisch verordnete Grundhaltung.

Wer angesichts dieser Verhältnisse nicht von sträflicher Pflichtverletzung spricht, mag wohl blind sein.

Wozu ist die Schule von heute gut? Wie ich schon andeutete, sie ist ein lukrativer Marktplatz. Und sie ist im Fokus von Politik und Ideologen.

Was kann das eigentliche Ziel sein, wenn es nicht um Geld geht? Das fällt demjenigen   buchstäblich ins Auge, der die Quälereien der Schuljungen kennt und weiß, dass es dieselben Jungs sind, die als gestandene Kerle im Alter von 30 bis 40 Jahren ins Handschrift-Coaching gehen, weil ihnen das Schreiben können fehlt! Nicht die schlechte Handschrift die keiner lesen kann, es ist nicht die Eitelkeit. Sie versuchen es noch einmal, weil Ihnen das Fehlen dieser speziellen Technik persönliche Probleme macht. Sie schreiben nicht, sie DRUCKEN – richtig fließend schreiben können sie nicht. Die meisten lassen schreiben.

Erinnern Sie, dass ich anfangs sagte: Schreiben können oder nicht schreiben können, ist eine Frage von Abhängigkeit und Macht?

Wer zu mir kommt, hat diese Übermacht endgültig satt. Es sind die hellen Köpfe von damals, die sich die Freiheit nahmen, ein System zu boykottieren, das ihnen das Schreiben lernen verweigert. Sie sind nicht mehr wütend. Aber sie fühlen die Demütigung die an ihnen praktiziert wurde immer noch. Und sie gehen es noch einmal an. Sie wollen es noch immer wissen. Diesmal schaffen sie es.

Aber politisch erwünscht ist es nicht. Die Verunsicherung der Erwachsenen, das wird wohl jedem klar, der die Zusammenhänge recherchiert, die Verunsicherung der Erwachsenen ist das eigentliche Ziel der Schulpolitik. Warum sonst hält sie seit 50 Jahren an ihrem Sprachentzugsprogramm fest?

Jeder Angriff auf die Sprache – und nicht stattfindender Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen ist ein Angriff auf die Sprache – ist wie ein Griff ins Gehirn, ist eine Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung. Das wiederum ist ein Jahrhunderte altes, ein probates Mittel, um Intellekt und Handlung – also die geistige Bildung der Menschen – zu manipulieren.

Nihil fit sine causa.

Nichts geschieht ohne Grund.

Wer hat ein Interesse daran? Wäre es nur eine Verschwörungstheorie, bitte gern. Doch meine Einschätzung ist in guter Gesellschaft. Auch Psychologen, Psychiater, Ärzte, Neurowissenschaftler, Bildungsexperten, sogar Politiker und Lehrerinnen und Lehrer (die ungenannt bleiben) beklagen den Zustand unserer Grundschule. Die Medien sind voll davon. Ich möchte niemanden bevormunden und keine Gerüchte in die Welt setzen. Finden Sie es einfach selbst heraus.

Es ist ganz einfach: Recherchieren Sie. Fragen Sie, wer finanziell, materiell und/oder ideell davon profitiert, dass große Teile der Bevölkerung schlecht ausgebildet sind.

Man kann es sich auch denken.

Zum Abschluss noch einmal: Wer die, von den Verursachern auffallend oft wiederholte Rückversicherung: „Brauchen wir die Handschrift noch?“, mit „Nein“ beantwortet, ist der Manipulation vielleicht schon auf den Leim gegangen. Denn – das wissen wir jetzt – um die Handschrift geht es nur zum Schein.

Die intelligenzbasierte Technik schreibschriftlicher Alphabetisierung ist das Fundament geistiger Freiheit, ist Bildung, Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung und Erfolg im Persönlichen und im Beruf.

Schreiben ist Macht.

Geben Sie sie nicht aus der Hand.